Hilfe, Studium geschafft!

13.09.2017

Hartz 4 oder kellnern?

Ich werde schon ziemlich schnell einen guten Job finden. Schließlich habe ich während des Studiums schon in meinem Fachbereich gearbeitet und dort viel Verantwortung übernommen. Außerdem habe ich gute Noten und überdurchschnittlich viel Vitamin B. Mein Dozent sagt, ich könnte direkt mit 43.000 brutto Jahresgehalt einsteigen - am Arsch!

Das Studium erfolgreich zu absolvieren, ist der erste große Meilenstein für eine große Karriere. Jahrelang hat man darauf hingearbeitet gut ausgebildet in die Karriere einzusteigen. Ich habe extra noch einen Master an mein Studium gehängt, damit ich besser ins Arbeitsleben schlüpfen kann. „Ein Bachelor allein bringt heutzutage eh nichts mehr“, hört man ja immer öfter. Dass ein Master aber auch keine Garantie für Berufseinsteiger ist, musste ich leider schnell feststellen.

Meine Jobsuche fing eigentlich ziemlich positiv an. Ein Unternehmen für das ich schon mehrere Jahre freiberuflich gearbeitet hatte, signalisierte mir schon vor meiner Abschlussarbeit Interesse. Mir wurde eine Stelle angeboten, die sogar auf meine Skills zugeschnitten wurde. Ziemlich sicher, dass ich gar nicht weiter nach Jobs suchen muss, bekam ich nach Wochen plötzlich die Nachricht, dass die sich doch für jemand anderes entschieden haben.

Scheiße, lieber vorsichthalber mal Hartz 4 beantragen. Der Gang zum Jobcenter ist spannend, denn er belegt alle Klischees. Businessmäßig aufgebrezelt stolzierte ich an der Security vorbei. Ich möchte ja signalisieren, dass ich eigentlich gar nicht hier hingehöre. Die Tante, die den Antrag annimmt interessiert mein Lebenslauf gar nicht. Mit ihrem „zweifingertippsystem“ braucht sie eine Ewigkeit, um meine Daten aufzunehmen. Ich bekomme einen gesonderten Termin, um mich mit einem Mitarbeiter über meine Fähigkeiten zu unterhalten. Auf dem Weg nach draußen brüllt ein ungepflegter Alphakevin durch die Flure und ich bin froh, dass es dort Security gibt.

Zweite Klatsche: Da ich mit meinem Freund zusammenwohne, dieser schon länger erwachsen ist und Geld verdient, bekomme ich ZERO! Bedarfsgemeinschaft heißt diese Frechheit und besagt, dass mein Freund finanziell für mich aufkommen muss! Da ich viel zu emanzipiert bin, um von meinem Partner abhängig zu sein, suche ich lieber schnell mal einen Job.

Ich werde auch direkt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Per Mail fragt die Geschäftsführerin auch noch meine Gehaltsvorstellung an. Ich gehe sehr weit runter mit der Zahl, da es sich um ein eher kleines Unternehmen und um eine Assistentenstelle im Marketing handelt. Das Gespräch lief blendend, meine Qualifikationen passten perfekt. Als die Chefin die Aufgaben aufzählte und beim Cappuccino holen aufhörte, musste ich laut lachen. Toll, Humor hat die auch noch. Sie und ihr Kollege lachten aber irgendwie nicht mit. Der zweite Showstopper war die Zahl 24.000. Brutto. Im Jahr. 40 Stunden die Woche. Ich verkneife mir einen blöden Kommentar und überlege in welchem Restaurant ich mir vorstellen könnte zu kellnern. Warum wollte sie überhaupt meine Gehaltsvorstellung wissen, wenn sie die eh ignoriert? Unprofessionell, finde ich.

Auch beim Ablauf für eine Stelle im öffentlichen Dienst bin ich verwundert wie mit Bewerbern umgegangen wird. Hauptsache die Bewerbung postalisch mit frankiertem Rückumschlag verschicken müssen, aber selber die Absage erst vier Wochen nach Absprache erteilen.

Nach einigen verdammt frustrierten Monaten mit Fertigstellung der Masterarbeit, Existenzängsten und schmalem Geldbeutel habe ich einen Job gefunden, der zu mir passt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass dieser Arbeitgeber sich nach Monaten  überhaupt noch bei mir meldet. Der Job macht Spaß, aber auch hier steht auf der Gehaltsabrechnung „Sprungbrett“.

Zwar hört man immer wieder von Personalern, die absurde Vorstellungen von Anfang zwanzig jährigen Berufseinsteigern mit fünf Jahren Berufserfahrung haben. Auch zwei Bekannte mit Doktortiteln mussten monatelang nach einem passenden Job suchen. Aber dass die Realität tatsächlich so Berufseinsteiger-unfreundlich ist, hat mich überrascht.

Keiner mag Klugscheißer, aber wenn ihr neben dem Studium arbeiten müsst, dann versucht einen Werkstudentenjob zu bekommen oder zumindest annähernd im Bereich, der euch bei der Jobsuche zu Gute kommt. Und genießt die Freizeit, sie wird euch fehlen!

Text: Klara Fall

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