4 Wochen lang plastikfrei einkaufen

Mein Fazit

Am Anfang des Experiments habe ich mich als umweltbewussten Menschen bezeichnet, der allerdings gerne sein Studentenbudget als Ausrede benutzt, um bequemere Gewohnheiten weiterzuführen. Jetzt kann ich von mir behaupten, 4 Wochen lang meine Komfortzone verlassen zu haben, in dem ich bewusst plastikfrei meine Lebensmittel einkaufe. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es immer einfach war. Auf Videoplattformen und in Blogs ist immer alles so motivierend, positiv und einfach, in der Realität fühlt man sich mit seinem Vorhaben manchmal aber auch einfach nur komisch und unsozial. Wenn ich über meinen Selbstversuch gesprochen habe, haben sich Freunde oder Verwandte in manchen Situationen dazu gezwungen gefühlt, ihren eigenen Plastikverbrauch zu rechtfertigen. Und ich kann es verstehen. Ich spüre in meinem Umfeld im Moment fast schon einen Contest darum, wer am gesündesten isst, wer am umweltbewusstesten lebt und wer am häufigsten sein Umfeld über etwas belehrt, was derjenige ja viel besser macht. Das kann anstrengend werden, aber zum Glück war in meinem Fall das Interesse immer höher als die Kritik. Ich wurde an der Kasse von einer Frau angesprochen mit der Frage, woher ich das Fleisch in der Plastikdose bekommen habe und Freunde schicken mir weiterhin Tipps, wo sie in Flensburg plastikfreie Lebensmittel entdeckt haben und dieser Austausch macht großen Spaß. Wenn man damit beginnt, plastikfrei einzukaufen gehört zunächst viel Planung dazu, das reduziert sich aber, wenn man routinierter ist. Außerdem lernt man, auf gewisse Dinge zu verzichten, denn aus Gemütlichkeit fragt man sich schließlich: Möchte ich dies oder das so dringend haben, dass ich dafür extra losfahre oder extra recherchiere, wo ich es bekomme? Ich bin es so gewohnt, alles was mein Herz begehrt, sofort und günstig zu bekommen, denn ich bin vollkommen verwöhnt. Ich glaube der Verzicht tat mir ganz gut, denn nur so sind mir einige eigene Gewohnheiten klargeworden. Es war also zwar nicht immer einfach, aber es war definitiv möglich. Und die größte Überraschung war das Budget, aber dazu später mehr.

Der Unverpacktladen ist für mich ein Ort geworden, den ich als Luxus ansehe, weil man sich einfach entscheiden muss, wieviel einem einzelne Lebensmittel wert sind. Hier kann ich mit Freunden einen Kuchen essen gehen, mir etwas Süßes mitnehmen oder mal etwas Neues ausprobieren, wenn ich mir etwas gönnen möchte. Ich kaufe noch immer auf dem Markt mein Obst und Gemüse ein, weil es sein Geld schlicht und einfach wert ist und ich das Geld gut investiert finde. Ich verwerte die Lebensmittel automatisch viel verantwortungsbewusster und durchdachter, weil ich deren Wert sehe. Ich mache außerdem weiterhin meine Hafermilch selber, werde aber ganz bestimmt mal eine Notfall-Packung aus dem Discounter kaufen, wenn die Milch doch mal schlecht geworden ist und ich meinen Kaffee mit Hafermilch brauche, um durch die Hausarbeiten-Zeit zu kommen.

Zurück zum Budget: Ich habe WENIGER als gewöhnlich für meinen monatlichen Lebensmitteleinkauf ausgegeben. Wie ist das möglich? Ich versuche es mal so zu erklären: Ich vermute, dass es an einigen Phänomenen liegt, die das plastikfreie Einkaufen so mit sich bringen. Ich habe definitiv auf einiges verzichtet, besonders auf Fleisch, da mir unverpacktes Fleisch einfach zu teuer war. Genauso war es bei Nudeln und Süßigkeiten. Für mich persönlich würde ein plastikfreies Leben wahrscheinlich auch ein gesünderes sein. Und das finde ich einen schönen Gedanken, denn, wie bei meinem plötzlichen Interesse für das deutsche Müllrecyclingsystem, öffnet ein Schritt aus der Komfortzone automatisch den Blick für andere Themen, wie Recycling, Klimafreundliche Ernährung, Körpergesundheit und mentale Gesundheit.

Mein Fazit: Es hängt alles zusammen und es geht, wie so oft, um das gesunde Mittelmaß, aber JA, es ist möglich als Studentin plastikfrei Lebensmittel einzukaufen. Mir hat der Selbstversuch großen Spaß gemacht und meinen Blick dafür erweitert, wie ich meinen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann und ich bin mir sicher, dass dies schon deutlich wird, wenn man sich ab und an kleinen Challenges stellt. Vielleicht hast du auch mal Lust auf einen Selbstversuch, wie wäre es für den Anfang mit: „4 Wochen Obst und Gemüse nur noch plastikfrei“? Ich wette, das kriegst du hin!

Text & Foto: Marie Wollert

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