Flensburgs fliegende Schuhe

Shoefiti in der Fördestadt

Wer kennt sie nicht? Die fliegenden Schuhe von Flensburg. Seit 2007 baumeln Paare von Schuhen an der alten Oberleitung der ehemaligen Straßenbahn in der Norderstraße. Die Schuhe sind mittlerweile eine Art von urbaner Straßenkunst geworden, welche sich Shoefiti nennt (von engl. shoe = Schuh und graffiti = Graffiti).

Shoefiti ist ein weltweit zu beobachtendes Phänomen, bei dem Paare von Schuhen zusammengebunden über Äste, Leinen oder Kabel geworfen werden. Zum Beispiel soll es in Schottland schon lange Brauch sein, dass Männer ihre Schuhe ins Fenster hängen sobald sie ihre Jungfräulichkeit verloren haben. In den USA sollen die Schuhe gefallener Soldaten einst rituell über Leinen gehängt worden sein. Von Flensburgs Norderstraße inspiriert sind Seile mit Schuhen mittlerweile auch in Berlin aufgetaucht. Die Schuhe sind ein echter Touristenmagnet und als Fotoobjekt beliebter als das Nordertor geworden.

Ladenbesitzer in der Norderstraße werden beinahe täglich mit den Fragen bombardiert, warum die Schuhe da hängen und wie sie dahin gekommen sind. Eine Antwort auf die Frage wurde bis heute nicht gefunden, jedoch gibt es einige Entstehungslegenden zu dem Trend. Zum Beispiel, dass Diskothekenbesucher, die nachts angetrunken durch die Gassen zogen, ihre Schuhe in die Luft warfen, bis diese sich in den Seilen verfingen. Andere Theorien sind, dass einst ein genervter Ehemann die stinkenden Schuhe seiner Ehefrau über die Seile geworfen haben soll oder dass die Schuhe ein Wegweiser zum nächsten Drogendealer wären.

Eine der glaubwürdigsten Legenden besagt, dass das Ganze mit einem Skaterladen begonnen haben soll. Hocherfreut über ihre neuen Schuhe ließen die Kunden ihre alten Treter gleich im Laden. Der Ladenbesitzer soll diese dann über die Leinen geworfen haben, in Erwartung, dass diese von der Stadt entfernt werden würden. Überrascht stellte er jedoch fest, dass die Schuhe hängenblieben und sogar immer neue dazukamen.

Mittlerweile hängen über 300 Schuhe verteilt an den 10 Seilen. Manche der Seile sind so vollgepackt, dass die Leinen bereits zweimal gerissen sind und zu Boden stürzten. Zu Schaden kam dabei zum Glück nie jemand. Jedoch kam 2011 die Frage auf, wer die Versicherung dafür übernehme. Gerüchte kamen auf, dass die Schuhe abgenommen werden müssten. Glücklicherweise übernahm daraufhin ein Versicherungskaufmann eine Haftpflichtversicherung für die Schuhe und sie durften hängenbleiben.

2014 wurde die Norderstraße dann sogar von dem US-amerikanischen Travel & Leisure Magazin zu einer der 18 verrücktesten Straßen der Welt gekürt. Die Schuhe sind ohne Frage ein echter Hingucker und aus Flensburg nicht mehr wegzudenken, da sie mittlerweile so was wie ein inoffizielles Wahrzeichen von Flensburg geworden sind.

Text & Illustrationen: Franziska Kickuth

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