Plattdeutsch

Die wohl charmanteste Sprache der Welt

Wahrscheinlich hast du schon einmal davon gehört, dass man sagt, im Raum Hannover spreche man das beste Hochdeutsch. Ich war immer der Meinung, hier oben im Norden sprechen wir ein viel besseres Hochdeutsch, aber im Laufe meines Studiums musste ich einsehen, dass hier kein reines Hochdeutsch gesprochen wird, sondern Norddeutsch. Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr habe ich es lieben gelernt und zwar nicht nur das Norddeutsche, sondern vor allem das Plattdeutsche. Und deswegen gibt es hier eine Hommage an die wohl charmanteste Sprache der Welt.

Es fängt mit „Moin“ an, geht über „Tüddelkram“ bis hin zu „Ohauehaueha wat’n Aggewars!“. Schleswig-Holstein ist aufgrund der Historie sowie der geografischen Lage von vielen sprachlichen Einflüssen geprägt. Das macht es so besonders. Und das führt auch dazu, dass Zugezogene es manchmal doch befremdlich finden, dass wir Tag und Nacht zur Begrüßung Moin sagen. Manche gehen sogar so weit zu sagen, hier oben seien die Leute wortkarg oder gar unfreundlich – Freunde der Sonne, das nennt man norddeutsche Freundlichkeit!

Und ein „Moin Moin“ ist schon echt Gesabbel. Viele denken bei Plattdeutsch an alte Menschen und eine fast tote Sprache, dem ist aber gar nicht so. Auch wenn in größeren Städten wenig Platt geschnackt wird, ist es in kleineren Ortschaften immer noch Alltag. Und es ist zumindest so lebendig, dass man es an der Uni in Flensburg im Fach Deutsch studieren kann. Genau das habe ich getan. Erst die Einführung, die alle Deutsch-Studierenden in Niederdeutsch oder Friesisch belegen müssen. Dann als Vertiefung und im Master habe ich noch das Zusatzzertifikat erworben. All das klingt nach viel Arbeit – und das war es auch – aber es war auch die Auseinandersetzung mit einer Sprache, die ich lieben gelernt habe.

Kaum eine Sprache ruft so viele Bilder und Gefühle hervor, wie das Plattdeutsche. Ich persönlich denke zuallererst an Norddeutschland und an Meer, an Familie, Geborgenheit und Heimat. Ich denke an
Schafe auf einem Deich und an Fischbrötchen. Auch Leute, denen das Plattdeutsche eigentlich fremd ist, assoziieren damit ein ganz bestimmtes Gefühl und eine Vorstellung.

Früher war es mal die Handelssprache und damit sehr bedeutend. Irgendwann hat sich das Hochdeutsche durchgesetzt und viele haben Plattdeutsch eher mit Leuten auf dem Land in Verbindung gebracht – hier und da hat das zur Abwertung der Sprache geführt. Dabei ist das Plattdeutsche sogar Literatursprache und wird teilweise sämtliche deutsche Sprachgebiete hinweg durch gelesen. Wer jetzt krampfhaft überlegt, dem helfe ich gerne auf die Sprünge: Klaus Groth, Fritz Reuter, Reimer Bull – vielleicht schon mal gehört?

In Flensburg hat das Plattdeutsche eine ganz besondere Bedeutung und das verdanken wir vor allem den sogenannten Petuhtanten. In unserer schönen Fördestadt wurde nämlich vor allem Petuh geschnackt, eine Mischung aus Hoch- und Niederdeutsch sowie Dänisch. Entstanden ist es im 19. Jahrhundert, als sich die kultivierten Damen zu Kaffeefahrten auf Fördedampfern getroffen haben. Hier
wurde mit vielen sprachlichen Einflüssen geschnackt und für diese Fahrten hatte man ein sogenanntes Partout-Billet – kommt eigentlich aus dem Französischen und lässt sich quasi mit Dauerkarte übersetzen. Irgendwann wurde daraus Petuh und die Frauen, die es schnackten, wurden zu Petuh-Tanten. Die bekanntesten Sprecherinnen waren Renate Delfs und Gerty Molzen. Inzwischen gibt es noch vereinzelt Stadtführungen auf Petuh, aber im alltäglichen Sprachgebrauch findet es sich kaum noch.

Bist du neugierig geworden und willst jetzt auch unbedingt Platt schnacken? Dann gibt’s hier unsere Buchempfehlung „Platt – dat Lehrbook: Ein Sprachkurs für Erwachsene“ von Hartmut Arbatzat. Ja, man kann Plattdeutsch wie jede andere Sprache auch lernen! Aber, ganz wichtig: Mein Dozent sagt immer, wenn Oma und Opa sagen, dass etwas anders ausgesprochen wird oder anders heißt, dann glaub ihnen und widersprich bloß nicht. Denn die Generation unserer Großeltern, zumindest die, die mit Platt groß geworden sind, haben einfach das bessere Sprachgefühl.

Und wenn du in Zukunft mal die Augen offen hälst, findest du hier und da sicherlich Hinweise und Überbleibsel des plattdeutschen Sprachgebrauchs. Zum Beispiel Lokalitäten mit plattdeutschen Namen, Orts- und Straßenschilder mit plattdeutschen Übersetzungen oder du ertappst dich selbst dabei, wie du ganz frei nach norddeutscher Manier schnackst.

Falls du mal Langeweile hast, kannst du auch mal mit einem Sprachwissenschaftler die Diskussion anfangen, ob es sich bei Plattdeutsch eigentlich um einen Dialekt oder eine Sprache handelt. Ich habe mir meine Meinung dazu bereits gebildet.

Also liebe Leute, fangt an Platt zu schnacken!

Lina Lassnig

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