Weiter geht das plastikfreie Einkaufen

Neue Routinen und Verzicht

Seit drei Wochen kaufe ich nun plastikfrei meine Lebensmittel ein und so langsam kommen die Routinen. Ich habe diese Woche einen kleineren Wochenmarkt ausprobiert, den ich innerhalb von ein paar Minuten mit dem Fahrrad erreiche und der hat es mir wirklich angetan. Er hat nur drei Stände und trotzdem eine gute Auswahl an Biogemüse und -obst. Preislich vollkommen okay und die Qualität ist super. Ich mag diese übersichtliche Auswahl an Obst und Gemüse und diese Beobachtung habe ich im Allgemeinen gemacht, seit ich mit dem Selbstversuch gestartet bin. Ich stehe nicht mehr heillos überfordert vor den Supermarktregalen, weil es von jedem Produkt 12 verschiedene Sorten gibt, sondern ich weiß, was ich an welchen Orten einkaufen möchte. Dort gibt es dann alles, was ich brauche, nicht mehr und nicht weniger. Mein Brot und meine Konserven hole ich vom Discounter von nebenan, Gemüse und Obst gibt es vom Markt und meinen Vorrat an Notfall-Süßigkeiten bekomme ich im Unverpacktladen. Aber was mir auffällt, ist, dass ich oft auf besondere Dinge verzichte, da ich keine Zeit oder Lust habe, nach plastikfreien Alternativen zu suchen. So ist es zum Beispiel beim Thema Fleischersatz. Mein Freund und ich essen gerne geräucherten Tofu. Wir sind darauf gekommen, weil er vegan lebt und wir essen es jetzt super gerne auf Brot, in Salaten oder einfach so. Doch bis jetzt habe ich keinen unverpackten Tofu in Flensburg gefunden. Klar, wie auch bei Fleisch, hat Plastik einfach super Eigenschaften, was Hygiene und Haltbarkeit angeht, außerdem wäre so ein Stück Tofu im Saft in einer Papiertüte eine ganz schöne Sauerei, aber für mein Experiment bedeutet das für mich dann: Verzicht. Genauso ist es mit Wraps. Die habe ich mir gerne mit Tofu gefüllt, was diesen Monat bis jetzt ausgefallen ist. Die restlichen Zutaten für meine Lieblings-Wraps bekomme ich alle plastikfrei, außer die Wrap-Fladen. Selbermachen habe ich keine Lust drauf, also muss ich mir Alternativen suchen. Aber so ganz ohne Tofu und ohne den gewohnten Wrap-Fladen aus dem Discounter ist es einfach nicht mehr mein Lieblings-Wrap und den vermisse ich doch ein wenig.

Was mir in der letzten Woche besonders aufgefallen ist, ist der Preis von unverpackten oder in Papier verpackten Nudeln. Im Unverpacktladen hat man eine kleine Auswahl an hochwertigen Nudeln und auch im Drogeriemarkt habe ich plastikfreie Nudelverpackungen gefunden. Ich habe beides ausprobiert und kann den Preis mit meinem Studentenbudget einfach nicht vereinbaren. Im Gegensatz zu meinen herkömmlichen Bio-Dinkelnudeln aus dem Discounter haben die plastikfreien Varianten das Doppelte gekostet. Die Nudelsorten, die ich probiert habe, sind ihr Geld bestimmt aus vielen Gründen wert, jedoch habe ich mich dafür entschieden, für so ein einfaches Nahrungsmittel nicht so viel Geld auszugeben. Auf der Suche nach plastikfreien Nudeln im Drogeriemarkt war ich übrigens erstaunt über den Wandel, den Drogeriemärkte im Moment machen. Im Bereich Hygieneartikel und Lebensmittel findet man hier wirklich einige plastikfreie Produkte, was ich nicht erwartet habe.

Im Allgemeinen befinde ich mich noch vollkommen in meinem monatlichen Budget für Lebensmittel, was ich ehrlich gesagt erstaunlich finde und nur damit erklären kann, dass meine Lebensmittel länger haltbar sind, da plastikfrei in meinem Falle meist auch gleichzeitig Bio und Frische bedeutet. Es kann aber auch auf einen anderen Umgang mit hochwertigen Lebensmitteln zurückgeführt werden und schlicht und einfach dem Verzicht, denn ausgenommen von meiner (heißgeliebten!) Hafermilch ist mein Einkauf ganz klar teurer als vorher. Ich gehe aber weniger oft und bewusster einkaufen, schlicht und einfach weil ich diesen Selbstversuch mache und alles reflektiere. Das hindert mich daran, den ein oder anderen unnötigen, aber meist sehr leckeren Snack zu kaufen. Außerdem ist es Wahnsinn, wie viel weniger Müll in unserem Haushalt anfällt. Der Müll muss viel seltener rausgebracht werden, was ja schon mal ziemlich gute Laune macht. Allgemein habe ich das Gefühl, dass ich mich mehr mit Mülltrennung und Recycling auseinandersetze, seit ich dieses Experiment gestartet habe, irgendwie hängt ja alles zusammen und wenn man einen kleinen Schritt in eine Richtung macht, lösen sich andere Dinge manchmal auch ganz von allein mit.

Text und Fotos: Marie Wollert

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